Glossar

Korrektorat (Copy-Editing)

Gründliche Durchsicht auf Satzebene: Grammatik, Rechtschreibung, Zeichensetzung, Einheitlichkeit und sachliche Richtigkeit.

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Im Korrektorat (englisch copy edit) wird ein Manuskript Satz für Satz auf Grammatik, Rechtschreibung, Zeichensetzung, Satzbau, Wortgebrauch, innere Stimmigkeit und sachliche Richtigkeit geprüft. Die Korrektorin geht den Text Zeile für Zeile durch. Sie achtet darauf, dass Figurennamen durchgehend gleich geschrieben sind (auch bei Nebenfiguren, die nur zweimal auftauchen), dass sich zeitliche Angaben nicht widersprechen (wer in Kapitel drei zwei Stunden für eine Strecke braucht, kann sie in Kapitel vierzehn nicht als Sechs-Stunden-Fahrt beschreiben), dass Sachangaben stimmen (historische Daten, Fachbegriffe, Entfernungen) und dass der Text dem maßgeblichen Regelwerk folgt. In den USA ist das bei Büchern meist The Chicago Manual of Style. Außerdem führt die Korrektorin für jedes Manuskript ein Stylesheet, eine laufende Liste mit allen Festlegungen zu Schreibweisen, Groß- und Kleinschreibung, Figurendetails und zeitlichen Abläufen. Es dient in der anschließenden Schlusskorrektur als Nachschlagewerk.

Das Korrektorat fängt genau die Fehler ab, die Autorinnen und Autoren im fertigen Buch blamieren und das Vertrauen der Lesenden untergraben: eine Figur, deren Augen von einem Kapitel zum nächsten von Blau zu Grün wechseln, ein historischer Roman, der eine Schlacht des Amerikanischen Bürgerkriegs ins falsche Jahr legt, ein Absatz, der unbemerkt vom Präteritum ins Präsens rutscht, eine Figur, die in Kapitel zwei ein Einzelkind ist und in Kapitel zwanzig von ihrer Schwester erzählt. Solche Anschlussfehler und sachlichen Irrtümer zu erkennen, ist das Handwerk der Korrektorinnen. Auch bei großen Verlagen gehen gelegentlich spektakuläre Fehler durch. Frühe Drucke von George R. R. Martins A Game of Thrones (auf Deutsch zuerst als Die Herren von Winterfell erschienen) enthielten einen Anschlussfehler beim Geschlecht eines Pferdes, der unter Lektoratsleuten zum geflügelten Beispiel wurde. Dan Browns Sakrileg wurde für sachliche Ungenauigkeiten kritisiert, die ein gründliches Korrektorat mit Faktenprüfung hätte markieren können. Selbst Bestseller großer Häuser sind also nicht vor den Fehlern sicher, die das Korrektorat beseitigen soll.

Das Korrektorat hat einen festen Platz in der Abfolge der Bearbeitungsstufen und unterscheidet sich vom Stillektorat ebenso wie von der Schlusskorrektur, auch wenn die Grenzen in der Praxis verschwimmen. Eine Korrektorin baut deine Sätze nicht aus stilistischen Gründen um (das ist Sache des Stillektorats), und sie überfliegt auch nicht nur die gesetzten Fahnen nach letzten Tippfehlern (das ist die Schlusskorrektur). Sie sorgt dafür, dass der Text handwerklich korrekt, einheitlich und klar ist, und bildet damit die Qualitätskontrolle zwischen kreativer Überarbeitung und Herstellung. Im Verlag folgt das Korrektorat auf das inhaltliche Lektorat und das Stillektorat und kommt vor Satz und Schlusskorrektur. Im Selfpublishing gehört ein professionelles Korrektorat zu den wichtigsten Investitionen überhaupt. Lesende spüren Unstimmigkeiten und Fehler erstaunlich genau, auch wenn sie nicht benennen können, was sie stört, und ein Buch voller übersehener Fehler sammelt schlechte Rezensionen, so fesselnd die Geschichte auch sein mag. Plane auf dem US-Markt für das Korrektorat eines vollständigen Romanmanuskripts mindestens 1.000 bis 3.000 US-Dollar ein und betrachte das als feste Produktionskosten, nicht als verzichtbaren Luxus.

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