Checkliste

Checkliste: Selbstlektorat

Zuletzt aktualisiert 8 Min. Lesezeit

Bevor du dein Manuskript jemand anderem gibst, geh es mit dieser Checkliste fürs Selbstlektorat durch. Arbeite die Abschnitte der Reihe nach ab: zuerst die großen Fragen, ganz zum Schluss die feinen Details. Es bringt nichts, Sätze in einem Kapitel zu polieren, das gestrichen werden muss.

Struktur & Erzählbogen

Der Anfang packt schon auf der ersten Seite

Deine erste Szene sollte eine Frage aufwerfen, Spannung erzeugen oder eine Figur in Bewegung zeigen. Wenn die Geschichte eigentlich erst in Kapitel drei beginnt, überleg, ob du streichst, was davor kommt.

Jedes Kapitel endet mit einem Grund weiterzulesen

Prüf deine Kapitelenden auf ungelöste Spannung, offene Fragen oder neue Komplikationen. Kapitel, die alles ordentlich abschließen, laden die Leserin ein, das Buch wegzulegen.

Der Midpoint (Wendepunkt in der Mitte) lenkt die Geschichte in eine neue Richtung

Etwa in der Mitte sollte sich etwas grundlegend ändern: eine neue Information, eine Umkehrung oder ein höherer Einsatz. Ein durchhängender Mittelteil bedeutet meist, dass die Wendung am Midpoint fehlt.

Nebenhandlungen sind mit dem Hauptbogen verbunden

Jede Nebenhandlung sollte den zentralen Konflikt spiegeln, verkomplizieren oder sich parallel zu ihm auflösen. Wenn sich eine Nebenhandlung streichen ließe, ohne dass sich an der Hauptgeschichte etwas ändert, sollte sie wahrscheinlich gestrichen werden.

Der Höhepunkt löst ein, was die Geschichte versprochen hat

Die zentrale Frage aus dem ersten Akt sollte im Höhepunkt beantwortet werden, und zwar nicht durch Zufall, sondern durch die Entscheidungen und die Entwicklung der Hauptfigur.

Szenen

Jede Szene hat einen klaren Wendepunkt

In jeder Szene sollte sich etwas ändern: Eine Beziehung verschiebt sich, eine Information kommt ans Licht, ein Plan scheitert. Wenn die Figuren am Ende an derselben Stelle stehen wie am Anfang, ist die Szene statisch.

Szenen steigen spät ein und hören früh auf

Streich Höflichkeitsfloskeln und Wegstrecken. Beginne die Szene so nah wie möglich am Konflikt und beende sie direkt nach dem Wendepunkt.

Die Perspektivfigur hat in jeder Szene ein Ziel

Auch ein kleines Ziel (eine Information bekommen, jemandem aus dem Weg gehen, ein Gefühl verbergen) erzeugt Vorwärtsdrang. Szenen, in denen die Figur kein Ziel hat, wirken oft wie Füllmaterial.

Szenenübergänge sind klar, ohne mechanisch zu wirken

Die Leserin sollte immer wissen, wann sich Zeit, Ort oder Perspektive geändert haben. Achte auf verwirrende Sprünge, aber vermeide Überleitungen nach dem Muster „Unterdessen, auf der anderen Seite der Stadt …“.

Dialog

Die Figuren klingen unterschiedlich

Deck die Namen ab und lies die Dialoge laut vor. Wenn du nicht erkennst, wer spricht, müssen sich die Stimmen stärker unterscheiden: durch Wortschatz, Satzlänge, Rhythmus oder Haltung.

Der Dialog hat Subtext

Figuren sollten selten genau das sagen, was sie meinen. Achte auf Gespräche, in denen Menschen zu direkt über ihre Gefühle oder Beweggründe sprechen. Echte Menschen lenken ab, weichen aus und deuten an.

Redebegleitsätze sind unauffällig

Nimm im Normalfall „sagte“ und „fragte“. Verben wie „rief aus“, „konterte“ und „verkündete“ ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Nutze stattdessen Handlungsbeats, wenn du lange Wortwechsel auflockern willst.

Keine Exposition nach dem Muster „Wie du weißt, Bob“

Figuren sollten sich nichts erklären, was beide längst wissen. Wenn du Vorgeschichte über Dialog vermitteln musst, sorg dafür, dass das Gespräch einen eigenen Grund hat, stattzufinden.

Prosa & Stil

Filterwörter sind entfernt

Such nach „bemerkte“, „fühlte“, „sah“, „hörte“, „erkannte“, „schien“ und „fragte sich“. Die meisten kannst du streichen, damit die Leserin unmittelbar dabei ist, statt der Figur beim Erleben zuzusehen.

Adverbien verdienen sich ihren Platz

Such gezielt nach Adverbien. Behalte die, die die Bedeutung wirklich verändern („Sie lächelte kalt“, wenn das Lächeln unerwartet ist). Streich die, die nur wiederholen, was das Verb schon sagt („schrie laut“).

Sätze variieren in Länge und Bau

Lies eine Seite laut vor. Wenn sie eintönig klingt, hast du wahrscheinlich zu viele Sätze von ähnlicher Länge. Mische kurze, knappe Sätze mit längeren, fließenden, um Rhythmus und Betonung zu steuern.

Metaphern und Vergleiche sind frisch und stimmig

Achte auf Klischees („kalt wie Eis“, „das Herz schlug wie eine Trommel“) und schiefe Bilder. Jeder Vergleich sollte sich so anfühlen, als gehöre er genau zu deinen Figuren und deiner Welt.

Letzter Schliff

Die Namen der Figuren sind gut zu unterscheiden

Prüf, dass keine zwei Figuren denselben Anfangsbuchstaben, dieselbe Silbenzahl oder einen ähnlichen Klang haben. Leserinnen und Leser verwechseln „Martin“ und „Marcus“ leichter, als du denkst.

Die Chronologie ist in sich stimmig

Halte Tage, Jahreszeiten und das Alter der Figuren über die ganze Geschichte fest. Eine Schwangerschaft, die elf Monate dauert, oder ein Geburtstag, der zwischen den Kapiteln wandert, zerstört das Vertrauen der Leserschaft.

Kontinuitätsdetails stimmen

Prüf Augenfarben, was links und was rechts ist, Entfernungen zwischen Orten und das Wissen der Figuren. Eine Figur kann nicht auf eine Information reagieren, die sie in der Geschichte noch gar nicht bekommen hat.

Das Manuskript ist nach den Einreichungsrichtlinien formatiert

Standard-Manuskriptformat: Times New Roman oder Courier in 12 Punkt, doppelter Zeilenabstand, Ränder von 1 Zoll, Kopfzeile mit Name, Titel und Seitenzahl. Prüf die besonderen Vorgaben der jeweiligen Agentur oder des Verlags.

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