Glossar

Pseudonym (Pen Name)

Ein alternativer Name, den eine Autorin oder ein Autor anstelle des bürgerlichen Namens — oder zusätzlich dazu — auf veröffentlichten Werken verwendet, aus Gründen der Privatsphäre, des Markenauftritts, der Marktsegmentierung oder der persönlichen Vorliebe.

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Ein Pseudonym (auch Künstlername, nom de plume oder Autorenname genannt) ist der Name, unter dem eine Autorin oder ein Autor anstelle des bürgerlichen Namens veröffentlicht. Die Gründe, eines anzunehmen, sind vielfältig und vollkommen legitim: Eine Autorin möchte ihre Privatsphäre oder Sicherheit schützen; sie schreibt in mehreren Genres und braucht getrennte Marken, damit ihre Thriller-Leserschaft nicht ihre Mittelstufenbücher in Erwartung eines weiteren Thrillers kauft; ihr bürgerlicher Name ist schwer zu schreiben oder gehört bereits einer berühmteren Person; sie schreibt aus einem Beruf heraus, in dem Nebentätigkeiten eingeschränkt sind; oder sie findet die öffentliche Dimension der Autorschaft schlicht leichter aus einer gewissen Distanz zu bewohnen. Ein Pseudonym ändert für sich genommen weder das Urheberrecht, noch steuerliche Pflichten, noch zivilrechtliche Haftung — der Mensch, der schreibt, bleibt der Autor des Werks —, aber es ändert, wie das Werk der Welt begegnet.

Die Geschichte des Pseudonyms ist die Geschichte der Zwänge und Möglichkeiten öffentlicher Autorschaft. Die Brontë-Schwestern — Charlotte, Emily und Anne — veröffentlichten zunächst als Currer, Ellis und Acton Bell, weil ihre Literaturwelt des 19. Jahrhunderts männliche Autoren bevorzugte. George Eliot war Mary Ann Evans aus demselben Grund. Mark Twain war Samuel Clemens; Lewis Carroll war Charles Dodgson; George Orwell war Eric Blair; Pablo Neruda war Neftalí Reyes. Im deutschsprachigen Raum schrieb B. Traven unter mehreren Identitäten, Kurd Laßwitz veröffentlichte unter mehreren Decknamen, Anonyma erzählte als „Eine Frau in Berlin". Im 20. und 21. Jahrhundert dienten Pseudonyme neuen Zwecken: Stephen King schrieb als Richard Bachman, um häufiger zu veröffentlichen, als sein Vertrag erlaubte; Nora Roberts schreibt Romantic Suspense als J. D. Robb; Joanne Rowling schreibt erwachsene Krimis als Robert Galbraith; Elena Ferrante und die Künstler, die als Carmen Mola schreiben, haben Pseudonyme genutzt, um ihre Privatsphäre vollständig von ihrer öffentlichen Persona zu trennen. In der Genreliteratur ist ein Pseudonym pro Genre heute Standardpraxis für produktive Schreibende, die ihre Marke nicht durcheinanderbringen wollen.

Wenn du ein Pseudonym erwägst, entscheide zuerst, welche Trennungstiefe du tatsächlich brauchst. „Offene" Pseudonyme (in denen die Öffentlichkeit den realen Namen kennt und das Pseudonym als Marke nutzt) erfordern weniger Verwaltung als „geschlossene" (bei denen die Verbindung nicht offengelegt wird). Wähle einen Namen, den du buchstabieren, aussprechen und suchen kannst: Vermeide Namen, die bereits andere Autorinnen oder Autoren tragen, Namen mit starken anderweitigen Assoziationen und Namen, die dich auf Seite sieben einer Suchergebnisliste verschwinden lassen. Registriere dein Pseudonym ordnungsgemäß: In den meisten Rechtsordnungen ist es erlaubt, unter einem Pseudonym zu veröffentlichen, Verträge zu schließen und Tantiemen zu beziehen, doch in der Regel musst du den Vorgang gegenüber Verlag, Bank, Finanzamt und allen genutzten Plattformen (KDP, IngramSpark, ISBN-Stellen) formalisieren. Plane langfristig: Viele Pseudonyme werden früher oder später öffentlich, sei es durch Zufall, durch Entscheidung der Autorin oder durch Recherche; gehe davon aus, dass dein Pseudonym irgendwann mit deinem bürgerlichen Namen verknüpft werden könnte, und prüfe, wie wohl du dich damit fühlst. Und wenn du ein Pseudonym verwendest, um außerhalb deiner Herkunftskultur oder -identität zu schreiben — über Geschlecht, Hautfarbe oder Nationalität hinweg —, prüfe diese Wahl mit derselben Sorgfalt wie jede andere folgenreiche kreative Entscheidung, denn Pseudonyme sprechen mit eigener Stimme, zusätzlich zu deiner.

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