Alliteration (Stabreim)
Die Wiederholung desselben Anlauts in aufeinanderfolgenden oder eng verbundenen Wörtern.
Zuletzt aktualisiertDie Alliteration ist die Wiederholung desselben Anlauts, meist eines Konsonanten, am Anfang benachbarter oder eng zusammengehöriger Wörter. Sie gehört zu den ältesten Klangmitteln der Literatur und ist im Englischen wie im Deutschen älter als der Endreim: Altenglische Dichtung wie der Beowulf war ganz auf Alliterationsmuster statt auf Endreime gebaut, und auch die germanische Dichtung, im Deutschen etwa das Hildebrandslied, folgte dem Stabreim. Alliteration verleiht Prosa und Lyrik etwas Musikalisches, bindet Wörter klanglich zusammen und macht Wendungen einprägsamer. Im Deutschen lebt sie in zahllosen Paarformeln fort: „Haus und Hof“, „Kind und Kegel“, „Wind und Wetter“, „mit Mann und Maus“. Sie kann auch eine bestimmte Klangfarbe erzeugen: Weiche Laute (s, l, m) wirken sanft, harte Laute (b, d, k) wirken kraftvoll oder aggressiv.
Milton verstärkt in Das verlorene Paradies die Bedeutung durch Alliteration: „Behemoth, biggest born of earth, upheaved / His vastness“ türmt B-Laute auf, um die Masse des Ungeheuers spürbar zu machen. Edgar Allan Poes Der Rabe ist voller Alliterationen, etwa in „Deep into that darkness peering, long I stood there wondering, fearing, / Doubting, dreaming dreams no mortal ever dared to dream before“. Im Deutschen hat Richard Wagner den Stabreim für seine Opernlibretti wiederbelebt, berühmt ist der Beginn des Rheingold: „Weia! Waga! Woge, du Welle“. In der Prosa der Gegenwart setzt Cormac McCarthy häufig Alliterationen ein, um seinen Beschreibungen einen biblischen Tonfall zu geben.
Setz Alliteration sparsam und gezielt ein. Eine gut gesetzte alliterierende Wendung bringt einen Satz zum Klingen; zu viel davon klingt nach Zungenbrecher oder Kinderreim. Die wirksamste Alliteration fällt beim ersten Lesen oft gar nicht auf, sondern trägt still zu Rhythmus und Stimmung einer Passage bei, ohne sich als Technik bemerkbar zu machen. Lies deinen Text laut, um zu hören, wo die Alliteration den Satz stärkt und wo sie ihn erschlägt. Im Dialog sollten Figuren in der Regel nicht alliterierend sprechen, es sei denn, du willst ihnen bewusst eine gezierte oder poetische Stimme geben.