Glossar

Wortwahl (Diktion)

Die bewusste Auswahl der Wörter, mit der Schreibende eine bestimmte Wirkung, Stimmung oder Genauigkeit erzielen.

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Die Diktion ist die Wortwahl eines Textes. Gemeint ist nicht nur der Wortschatz, sondern auch die Nebenbedeutungen, der Klang, die Herkunft und die Stilebene jedes einzelnen Wortes. Eine Figur, die durch den Park schlendert, lebt in einer anderen Welt als eine, die durch ihn stapft, obwohl beide gehen. Die Wortwahl prägt den Ton, zeichnet Figuren, steuert das Tempo und entscheidet darüber, ob ein Text gehoben oder umgangssprachlich, präzise oder impressionistisch, warm oder nüchtern wirkt. Sie ist die feinste Ebene, auf der sich schriftstellerisches Handwerk zeigt.

Cormac McCarthy schöpft in Die Abendröte im Westen aus der Sprache der Bibel, aus geologischen Fachbegriffen und altertümlichem Wortschatz und schafft so eine Prosa, die uralt und gnadenlos wirkt. Raymond Carvers Wortwahl ist das Gegenteil: schlichte Alltagswörter, mit chirurgischer Präzision gesetzt, um die stille Verzweiflung unter der Oberfläche des gewöhnlichen Lebens freizulegen. In Lolita ist Nabokovs Wortwahl überbordend verspielt, voller Wortspiele, Alliterationen und Wörter, die ebenso ihres Klangs wie ihrer Bedeutung wegen gewählt sind. So entsteht eine Stimme, die die Lesenden verführt, so wie Humbert sich selbst mit seiner Rhetorik verführt.

Um deine Wortwahl zu verbessern, mach dir zunächst bewusst, zu welchen Wörtern du gewohnheitsmäßig greifst. Prüf beim Überarbeiten jedes wichtige Wort und frag dich, ob es die genaueste, anschaulichste Wahl ist, die du hast. Ein Synonymwörterbuch kann Alternativen liefern, aber Vorsicht: Das beste Wort ist nicht das eindrucksvollste, sondern das, das zum Rhythmus des Satzes, zum Wortschatz der Figur und zur Gefühlslage der Szene passt. Einheitlichkeit der Stilebene ist enorm wichtig. Ein einziges Wort aus der falschen Stilebene kann die Illusion einer sorgfältig aufgebauten Stimme zerstören.

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