Glossar

Perspektivische Stimme

Die Art, wie eine gewählte Erzählperspektive den Prosastil, die Diktion und die Art der für die Leserin verfügbaren Informationen formt.

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Perspektivische Stimme ist die Schnittstelle von Erzählperspektive und Prosastil, die Art, wie eine gewählte Perspektive Sprache, Diktion, Rhythmus und Informationsumfang der Prosa einer Geschichte grundlegend formt. Es genügt nicht zu entscheiden, ob eine Geschichte in der ersten Person, in der dritten Person personal oder in der dritten Person auktorial erzählt wird; die Schreibende muss auch bestimmen, wie diese Perspektive jeden Satz auf der Seite beeinflusst. Ein Ich-Erzähler mit begrenztem Vokabular wird eine andere Prosa hervorbringen als ein Ich-Erzähler, der Literaturprofessor ist, selbst wenn beide dasselbe Ereignis beschreiben. Die Perspektive bestimmt nicht nur, was die Leserin wissen kann; sie bestimmt, wie die Leserin das Wissen erlebt.

In Der Fänger im Roggen erzeugt J.D. Salingers Ich-Erzählung eine intime, beichtartige Stimme, deren umgangssprachliche Diktion und abschweifende Syntax Holden Caulfields Entfremdung in jedem Satz spürbar machen. Die Leserin erfährt nicht nur, dass Holden desillusioniert ist; sie erlebt seine Desillusionierung durch die Textur seiner Sprache. Henry James' personale Erzählung in der dritten Person in Bildnis einer Dame erreicht eine andere Art von Intimität, indem sie die Welt durch das Bewusstsein von Isabel Archer filtert, mit einer Prosa, die ihre Intelligenz und allmähliche Ernüchterung widerspiegelt. In Menschenkind wechselt Toni Morrisons verschiebende Erzählung in der dritten Person zwischen den Perspektiven der Figuren, und der Prosastil ändert sich mit jedem Bewusstsein, von Sethes fragmentierten, traumageplagten Rhythmen bis zu Denvers unschuldigeren und sehnsüchtigeren Kadenzen. Diese Verschiebungen der perspektivischen Stimme sind keine bloße Technik; sie sind das primäre Mittel, mit dem die emotionale Komplexität des Romans vermittelt wird.

Wenn du die perspektivische Stimme entwickelst, frage dich, wie deine gewählte Perspektive klingen soll, nicht nur was sie sehen kann. Wenn du in der ersten Person schreibst, sollten das Vokabular, die Syntax und die Beobachtungsgewohnheiten des Erzählers seinen Hintergrund, seine Bildung, seinen emotionalen Zustand und seine Persönlichkeit widerspiegeln. Wenn du in enger dritter Person schreibst, sollte die Prosa durch das Bewusstsein der Fokusfigur gefärbt sein, ohne identisch damit zu sein, wie diese Figur laut sprechen würde. Lies jeden Absatz und frage: Könnte diese Prosa zu jedem Erzähler gehören, oder ist sie unverwechselbar durch diese bestimmte Perspektive geprägt? Wenn die Prosa generisch wirkt, hast du deine perspektivische Stimme noch nicht gefunden. Experimentiere, indem du dieselbe Szene aus verschiedenen Perspektiven umschreibst, und beobachte, wie der Wechsel des Blickwinkels nicht nur die Information, sondern das gesamte Gefühl der Prosa verändert.

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