Ton
Die Haltung des Autors gegenüber dem Stoff oder Publikum, vermittelt durch Wortwahl, Syntax und Stil.
Zuletzt aktualisiertTon ist die Haltung des Autors gegenüber dem Stoff der Geschichte, den Figuren oder dem Publikum, ausgedrückt durch Entscheidungen in Diktion, Syntax, Bildsprache und Tempo. Er ist das literarische Äquivalent des Tonfalls im Gespräch: Dieselben Worte, in unterschiedlichen Tönen vorgetragen, tragen völlig unterschiedliche Bedeutungen. Eine Geschichte über den Tod kann düster, schwarzhumorig, klinisch oder ehrfürchtig sein, je nach den tonalen Entscheidungen des Autors.
Kurt Vonneguts Ton in Schlachthof 5 ist sardonisch und weltmüde und nutzt schwarzen Humor, um sich dem Schrecken der Bombardierung Dresdens zu nähern. Im Gegensatz dazu ist Cormac McCarthys Ton in Die Straße karg, elegisch und unerbittlich trostlos, passend zur Verwüstung seiner postapokalyptischen Landschaft. Beide Romane handeln von Katastrophen, doch ihre Töne schaffen völlig unterschiedliche Leseerfahrungen. Jane Austens ironischer Ton in Stolz und Vorurteil erlaubt ihr, gesellschaftliche Konventionen zu kritisieren, während sie sie zu feiern scheint.
Einen konsistenten Ton beizubehalten ist entscheidend für das Lesertrauen. Ein plötzlicher Wechsel von ernst zu flapsig kann, sofern nicht bewusst zum Effekt eingesetzt, die Immersion des Lesers zerstören. Der Ton wird in den Eröffnungsabsätzen etabliert und muss durchgehend gehalten werden, auch wenn sich der emotionale Inhalt der Geschichte entwickelt. Um den richtigen Ton zu finden, fragen Sie sich: Wie fühle ich mich gegenüber diesem Stoff, und wie möchte ich, dass der Leser sich fühlt? Wählen Sie dann jedes Wort entsprechend.