Stimmung (Mood)
Die emotionale Reaktion, die ein Belletristikwerk im Leser erzeugt, geschaffen durch prosa-handwerkliche Elemente wie Diktion, Bildsprache, Tempo und Satzrhythmus.
Zuletzt aktualisiertStimmung ist die emotionale Wirkung, die Prosa im Leser erzeugt. Während das verwandte Konzept der Atmosphäre die Umgebungsqualität der Welt und des Schauplatzes einer Geschichte beschreibt, geht es bei Stimmung um das, was im Geist des Lesers geschieht: die Beklommenheit, das Staunen, die Melancholie, die Beflügelung oder das Unbehagen, die er beim Verarbeiten der Sprache auf der Seite erlebt. Stimmung wird durch prosa-bezogene Entscheidungen - Diktion, Bildsprache, Satzlänge, Rhythmus und Tempo - gestaltet, nicht allein durch Schauplatz und Worldbuilding. Sie ist, wie der Text Sie fühlen lässt, nicht wie die fiktive Welt aussieht.
Betrachten Sie, wie verschiedene Prosastile aus ähnlichem Material unterschiedliche Stimmungen erzeugen. Cormac McCarthys karge, parataktische Sätze in Die Straße erzeugen im Leser eine Stimmung betäubter, unerbittlicher Trauer - nicht weil der postapokalyptische Schauplatz trostlos ist, sondern weil jeder kurze, aussagende Satz den Leser zwingt, Verwüstung ohne den Trost komplexer Syntax aufzunehmen. Im Gegensatz dazu erzeugt Ray Bradburys üppige, rhythmische Prosa in Das Böse kommt auf leisen Sohlen eine Stimmung verzauberter Bedrohung gerade durch ihre Musikalität. Shirley Jacksons täuschend ruhige Diktion in Wir haben schon immer im Schloss gelebt erzeugt schleichendes Unbehagen gerade deshalb, weil der ruhige Ton der Erzählerin mit dem verstörenden Inhalt kollidiert.
Um Stimmung wirkungsvoll zu steuern, konzentrieren Sie sich auf die handwerklichen Elemente innerhalb Ihrer Sätze, statt sich ausschließlich darauf zu verlassen, was Sie beschreiben. Kurze, abgehackte Sätze beschleunigen den Puls des Lesers; lange, fließende verlangsamen ihn. Harte Konsonanten erzeugen Spannung; weiche Vokale erzeugen Ruhe. Ein einziges unerwartetes Wort in einer ansonsten sanften Passage kann die Stimmung des Lesers augenblicklich verändern. Wenn Sie Stimmung überarbeiten, lesen Sie Ihre Prosa laut und achten darauf, wie sie sich in Mund und Ohr anfühlt. Wenn Sie möchten, dass der Leser sich unbehaglich fühlt, sollten die Sätze selbst sich leicht unausgewogen anfühlen. Stimmung lebt in der Musik der Prosa, nicht nur in den Ereignissen, die sie beschreibt.