Assonanz
Der Gleichklang von Vokalen in nahe beieinanderstehenden Wörtern, der einem Text innere Harmonie und Musikalität verleiht.
Zuletzt aktualisiertAssonanz ist der Gleichklang der Vokale in betonten Silben benachbarter Wörter. Sie erzeugt ein inneres Echo, das zur Musikalität eines Gedichts beiträgt, ohne die volle Geschlossenheit des Reims. Während beim Reim Vokal und nachfolgende Konsonanten übereinstimmen, stimmt bei der Assonanz nur der Vokal überein; deshalb spricht man auch von vokalischem Halbreim. Das Ergebnis ist eine leisere, atmosphärischere Klangverbindung. Das lange „o“ in „Mond“, „Moor“ und „Tod“ oder das kurze „i“ in „Blitz“, „Riss“ und „splittern“ zeigt, wie wiederholte Vokale eine klangliche Einheit stiften, die das Ohr wahrnimmt, auch wenn der Verstand das Verfahren nicht bewusst erkennt. Assonanz wirkt unter der Oberfläche der Sprache und prägt Stimmung und Klangbild. Im Deutschen ist Clemens Brentano ein Meister der Vokalmusik, etwa in seinem „Wiegenlied“: „Singet leise, leise, leise, / Singt ein flüsternd Wiegenlied“.
Dylan Thomas gehört zu den großen Meistern der Assonanz. In Fern Hill verweben Verse wie „About the lilting house and happy as the grass was green“ lange und kurze Vokale zu einem Klanggewebe jugendlichen Überschwangs; die wiederkehrenden a-Laute erzeugen eine Helligkeit, die von der Bedeutung des Gedichts nicht zu trennen ist. Edgar Allan Poe nutzte Assonanz für hypnotische, beschwörende Wirkungen; in Die Glocken ahmt die Wiederholung der Vokale das Klingen nach, das er beschreibt. Seamus Heaneys Lyrik ist reich an Assonanzen, die aus den Klängen der irischen Landschaft und Mundart schöpfen. In Digging verbindet die Vokalmusik den Stift des Dichters mit dem Spaten seines Vaters über den gemeinsamen Klang statt über eine ausdrückliche Aussage.
Um Assonanz gezielt einzusetzen, lies deine Entwürfe zunächst laut und hör auf die Vokalmusik, die schon da ist. Oft entstehen Assonanzen in frühen Fassungen ganz von selbst und lassen sich beim Überarbeiten verstärken, indem du Synonyme mit dem vorherrschenden Vokal wählst. Lange Vokale (wie in „Mond“, „Wiese“, „Zeit“) wirken eher langsam und nachdenklich, kurze Vokale (wie in „knapp“, „Stück“, „Tick“) eher rasch und schlagend. Nutze Assonanz, um die Stimmung zu verstärken: Eine traurige Passage gewinnt vielleicht durch die dunklen langen o-Laute von „Not“, „Tod“ und „Boot“, eine zornige durch das kurze a von „Knall“, „Krach“ und „zerplatzt“. Bleib dabei dezent; Assonanz wirkt am besten, wenn man sie spürt, ohne sie zu bemerken.