Reimschema
Das Muster der Endreime eines Gedichts, meist mit Buchstaben notiert, wobei gleiche Buchstaben für sich reimende Verse stehen.
Zuletzt aktualisiertDas Reimschema ist das geordnete Muster der Reime am Versende eines Gedichts. Üblicherweise wird jedem neuen Reimklang ein Buchstabe zugewiesen, und dieser Buchstabe wird wiederholt, wenn der Klang wiederkehrt: Der Reimklang des ersten Verses heißt „a“, der nächste neue „b“ und so weiter. Ein Vierzeiler im Schema ABAB reimt also den ersten mit dem dritten und den zweiten mit dem vierten Vers (Kreuzreim), AABB steht für zwei aufeinanderfolgende Reimpaare (Paarreim), ABBA für den umarmenden Reim. Im Deutschen kennt man zudem den Schweifreim (AABCCB). Das Reimschema gehört zu den wichtigsten Bauelementen gebundener Lyrik: Es stiftet Zusammenhalt, Musikalität und ein Muster, das das Ohr erwartet und als befriedigend empfindet, wenn es sich erfüllt.
Verschiedene Reimschemata erzeugen grundverschiedene Wirkungen. Das Schema ABAB CDCD EFEF GG des Shakespeare-Sonetts treibt das Gedicht durch drei Vierzeiler voran und löst es dann in einem Schlussreimpaar auf, das oft eine epigrammatische Wendung bringt. Das Oktett ABBAABBA des Petrarca-Sonetts wirkt geschlossener und besinnlicher, weil die umarmenden Reime den Klang immer wieder in sich zurückfalten. Samuel Taylor Coleridge verwendet in Die Ballade vom alten Seemann die Balladenstrophe im Schema ABCB, die dem Gedicht seinen erzählerischen Schwung und seinen märchenhaften Ton gibt. Dantes Göttliche Komödie ist in Terzinen geschrieben (ABA BCB CDC), einem verschränkten Schema, in dem der Mittelvers jeder Strophe die Rahmenverse der nächsten vorgibt; so entsteht eine Kette, die die Lesenden unaufhörlich weiterzieht.
Hüte dich beim Arbeiten mit Reimschemata vor dem erzwungenen Reim, bei dem die Suche nach dem Reimwort die natürliche Satzbewegung verbiegt oder ein Wort hineindrängt, das dem Klang dient, aber nicht dem Sinn. Gute gereimte Lyrik lässt ihre Reime unausweichlich wirken, nicht gekünstelt. Erweitere deine Möglichkeiten mit dem unreinen Reim (Wörter, die sich fast, aber nicht ganz reimen, wie Goethes „neige / Schmerzenreiche“ im Faust), der dir mehr Spielraum gibt und den Klangzusammenhalt dennoch wahrt. Übe zunächst in bewährten Schemata, bevor du eigene erfindest. Achte darauf, wie Reimschema und Satzbau zusammenspielen: Decken sich die Satzgrenzen mit dem Reimschema, entsteht ein Gefühl der Auflösung; arbeiten sie gegeneinander, entstehen Spannung und Enjambement.