Glossar

Slush-Pile (unverlangte Einsendungen)

Der Stapel unverlangt eingesandter Manuskripte, der sich bei einem Verlag oder einer Literaturagentur ansammelt.

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Slush-Pile nennt die englischsprachige Verlagswelt den Berg unverlangt eingesandter Manuskripte und Anschreiben, die ohne persönliche Verbindung oder Empfehlung bei Literaturagenturen und Verlagen eingehen. In einer großen Agentur kommen pro Woche Hunderte Einsendungen zusammen. Gelesen werden sie meist von jungen Agentinnen, Assistenten oder Praktikantinnen, die vorsortieren und nur Vielversprechendes weiterreichen. Die überwältigende Mehrheit wird abgelehnt, oft schon nach wenigen Seiten: weil das handwerkliche Grundniveau fehlt, weil der Text nicht ins Programm der Agentur oder des Verlags passt oder weil der Markt mit Ähnlichem schlicht gesättigt ist.

Trotz seines abschreckenden Rufs hat der Slush-Pile einige der größten Erfolge der Buchgeschichte hervorgebracht. Kathryn Stocketts Gute Geister, John Grishams Die Jury und J. K. Rowlings Harry Potter und der Stein der Weisen kamen alle nach mehreren Absagen aus dem Stapel der unverlangten Einsendungen. Diese Beispiele werden gern zur Ermutigung angeführt, zeigen aber auch, wie viel Ausdauer nötig ist: Stocketts Manuskript wurde sechzigmal abgelehnt, Grishams achtundzwanzigmal, bevor sich jemand dafür einsetzte. Eine saubere Bestenauslese ist der Slush-Pile nicht. Timing, Markttrends und der persönliche Geschmack der Person, die zufällig gerade liest, spielen eine große Rolle.

Heute sieht der klassische Slush-Pile anders aus. Viele große Verlage nehmen keine unverlangten Manuskripte mehr direkt an und lassen alles über Literaturagenturen laufen, die wiederum ihren eigenen Stapel führen. Manche Agenturen arbeiten mit elektronischen Einsendesystemen, in denen sich Anfragen leichter nachverfolgen lassen, in denen man aber nicht leichter auffällt. Deine Chancen verbesserst du, wenn du Agenturen gründlich recherchierst, jedes Anschreiben persönlich zuschneidest, Konferenzen besuchst, auf denen Agenturen Pitches annehmen, und dir eine Reichweite aufbaust, die echtes Publikumsinteresse belegt. Für Schreibende ohne Agentur bleibt der Slush-Pile der wichtigste Einstieg. Die Chancen sind gering, aber jede Agentur sucht aktiv nach dem nächsten großartigen Manuskript, denn genau davon lebt sie.

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