Satire
Der Einsatz von Humor, Ironie und Übertreibung, um menschliche Laster, Torheiten oder Missstände in Institutionen anzuprangern und bloßzustellen.
Zuletzt aktualisiertDie Satire nutzt Humor, Ironie, Übertreibung und Spott, um die Schwächen einzelner Menschen, von Institutionen oder der ganzen Gesellschaft anzuprangern und bloßzustellen. Anders als die bloße Komödie, die vor allem unterhalten will, verfolgt die Satire einen moralischen oder bessernden Zweck: Sie hält der Wirklichkeit einen Zerrspiegel vor, in der Hoffnung, dass sichtbar gemachte Laster und Torheiten die Menschen beschämen und zur Umkehr bewegen. Satire kann sanft und wohlwollend sein (horazische Satire) oder bissig und verächtlich (juvenalische Satire), doch immer lebt sie von der Kluft zwischen dem, wie die Dinge sind, und dem, wie sie sein sollten. Kurt Tucholsky beantwortete die Frage „Was darf die Satire?“ bekanntlich mit „Alles.“
Jonathan Swifts Gullivers Reisen gilt bis heute als Maßstab literarischer Satire: In fantastischen Reisen spießt Swift die englische Politik, wissenschaftliche Überheblichkeit und die menschliche Natur selbst auf. George Orwell geißelt in Farm der Tiere den Verrat an revolutionären Idealen mit der Allegorie eines Aufstands auf dem Bauernhof, der genau die Tyrannei wiederherstellt, die er gestürzt hat. Voltaire verspottet in Candide unerbittlich den philosophischen Optimismus, indem er seinen naiven Helden durch jede erdenkliche Katastrophe schleift, während dessen Lehrer darauf beharrt, dies sei „die beste aller möglichen Welten“. Kurt Vonnegut nimmt in Schlachthof 5 mit schwarzem Humor und zersplitterter Chronologie die Absurdität des Krieges aufs Korn und zeigt, dass herkömmliches Erzählen sein Grauen nicht fassen kann. In der Gegenwart sind satirisches Fernsehen und satirischer Journalismus, von politischen Sketchsendungen bis zu Nachrichtenparodien, zu wichtigen Trägern der Gesellschaftskritik geworden, ein Beleg für die erstaunliche Anpassungsfähigkeit der Satire an neue Medien.
Beim Schreiben von Satire ist die wichtigste Unterscheidung die zwischen Satire und Parodie. Die Parodie ahmt den Stil eines bestimmten Werks oder Genres nach, um komisch zu wirken; die Satire zielt auf Ideen, Verhaltensweisen und Institutionen. Beide überschneiden sich oft, doch Satire ohne klares Ziel wird zu bloßem Spott, und Spott ohne Zweck ermüdet schnell. Gute Satire setzt voraus, dass du genau verstehst, was du kritisierst, denn der Witz muss aus echter Einsicht entstehen, nicht aus Karikatur. Die größte Herausforderung ist die Kontrolle über den Ton: Ist die Satire zu sanft, bleibt die Kritik unbemerkt; ist sie zu scharf, wendet sich das Publikum ab, statt nachzudenken. Ziel ist, dass die Lesenden erst lachen und dann nachdenken, und dass das Nachdenken länger anhält als das Lachen.