Glossar

Sekundärwelt

Eine vollständig erfundene fiktive Welt ohne direkte Verbindung zur Erde oder Realität, die als kompletter Schauplatz für eine Erzählung dient.

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Eine Sekundärwelt ist ein vollständig erfundener fiktiver Schauplatz, der unabhängig von der Erde und unserer bekannten Realität existiert. Der Begriff stammt von J.R.R. Tolkiens Essay „Über Märchen", in dem er den Fantasy-Autor als „Sub-Schöpfer" beschrieb, der eine Sekundärwelt konstruiert, in die der Geist der Leserin eintreten kann und alles darin intern konsistent und glaubwürdig findet. Anders als Urban Fantasy oder magischer Realismus, die das Fantastische auf unsere vertraute Welt legen, transportiert Sekundärwelt-Belletristik die Leserin in eine völlig separate Realität mit eigener Geografie, Geschichte, Physik und Kulturen. Die Leserin bringt kein Vorwissen über diese Welt mit und muss ihre Regeln vollständig durch die Erzählung lernen, was einzigartige Anforderungen an das Worldbuilding-Handwerk der Autorin stellt.

Tolkiens Mittelerde ist die archetypische Sekundärwelt, eine Schöpfung so detailliert und intern konsistent, dass sie das Fantasy-Genre für Generationen umgestaltete. Ursula K. Le Guins Erdsee ist eine weitere bahnbrechende Sekundärwelt, ein Archipel von Inseln, in dem Magie in das Gewebe der Sprache selbst eingewoben ist. Robert Jordans Rad-der-Zeit-Welt umspannt Kontinente und Kulturen über tausende Jahre fiktiver Geschichte. In neuerer Belletristik zeigt N.K. Jemisins Stillness in der Broken Earth-Trilogie, wie eine Sekundärwelt konstruiert werden kann, um zeitgenössische Themen zu erforschen – systemische Unterdrückung, Umweltkatastrophe, generationenübergreifendes Trauma – durch eine völlig erfundene Linse. Sekundärwelten kontrastieren auch mit Portal-Fantasien wie C.S. Lewis' Narnia oder Lev Grossmans Fillory, wo Figuren aus unserer Welt in die Sekundärwelt reisen und eine eingebaute Publikumsvertretung bieten.

Das Schaffen einer Sekundärwelt erfordert, Immersion mit Zugänglichkeit auszubalancieren. Da die Leserin nicht auf reales Weltwissen zurückgreifen kann, muss jedes wesentliche Detail durch die Erzählung kommuniziert werden, ohne auf Info-Dumps oder lehrbuchartige Exposition zurückzugreifen. Die effektivsten Sekundärwelten offenbaren sich allmählich durch Charaktererfahrung – die Leserin lernt die Welt kennen, während Figuren mit ihr interagieren, nicht durch Prologe, die Geografie und Geschichte katalogisieren. Achte besonders auf die alltäglichen Details, die eine Welt bewohnt wirken lassen: Was Menschen essen, wie sie einander begrüßen, was sie als unhöflich oder heilig betrachten. Diese kleinen Berührungen tun mehr für Immersion als ausführliche Beschreibungen politischer Systeme. Denke daran, dass eine Sekundärwelt, obwohl vollständig erfunden, dennoch von innerer Logik und Konsequenz regiert wirken sollte. Je fremdartiger die Welt, desto wichtiger ist es, dass ihre Regeln konsistent sind.

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