Konstruierte Sprache (Conlang)
Eine eigens für eine fiktive Welt erfundene Sprache, vom einfachen Namensschema bis zum voll ausgebauten Grammatiksystem.
Zuletzt aktualisiertEine konstruierte Sprache, kurz Conlang (von constructed language), ist eine Sprache, die bewusst erschaffen wurde, statt sich natürlich zu entwickeln. In der Literatur vertiefen Conlangs den Weltenbau, indem sie Kulturen eine eigene sprachliche Identität geben und erfundene Gesellschaften glaubwürdig und bewohnt wirken lassen. Wie vollständig eine konstruierte Sprache ist, variiert stark. Am einen Ende stehen voll ausgebaute Sprachen mit Grammatik, Satzbau und umfangreichem Wortschatz, in denen man sich tatsächlich verständigen kann. Am anderen Ende stehen Namenssprachen, die eine einheitliche Lautpalette für Figurennamen, Ortsnamen und Schlüsselbegriffe liefern, ohne eine funktionierende Sprache zu sein. Wie tief du gehst, sollte sich nach den Bedürfnissen der Geschichte richten. Nicht jede Fantasywelt braucht eine sprechbare Sprache, doch schon ein einfaches Namensschema kann einer erfundenen Kultur enorme Glaubwürdigkeit verleihen.
J. R. R. Tolkien ist bis heute der Maßstab für literarische Conlangs. Als Philologe von Beruf schuf er Quenya und Sindarin, seine Elbensprachen, mit vollständigen Grammatiken, Etymologien und historischen Lautwandeln und behandelte das Erfinden von Sprachen als eigene Kunstform. Seine Sprachen waren vor seinen Geschichten da; Mittelerde entstand zum Teil als Welt, in der diese Sprachen leben konnten. In der Gegenwart hat David Peterson für die HBO-Serie Game of Thrones Dothraki und Hochvalyrisch entwickelt und aus den Bruchstücken in George R. R. Martins Romanen voll funktionsfähige Sprachen mit Tausenden Wörtern gemacht. Marc Okrands Klingonisch, entwickelt für Star Trek, wurde so beliebt, dass es eine eigene Übersetzung des Hamlet und eine aktive Sprechergemeinschaft gibt. Diese Beispiele zeigen, dass eine gut gebaute Conlang ein Eigenleben jenseits der Fiktion entwickeln kann, aus der sie stammt.
Wenn du Sprachen für deine eigene Geschichte erfindest, beginne mit dem Klang. Leg fest, welche Laute deine Sprache verwendet und welche sie meidet, denn diese Lautpalette bestimmt ihren Charakter: Harte Konsonantenhäufungen klingen anders als fließende, vokalreiche Silben. Lege grundlegende Regeln der Wortbildung fest, damit neue Begriffe zu den bestehenden passen. Auch wenn du nie eine vollständige Grammatik ausarbeitest, sorgen ein einheitliches Lautsystem und ein Stamm von Wurzelwörtern, die sich logisch verbinden, dafür, dass deine erfundenen Namen und Begriffe wie Teile einer echten Sprache klingen und nicht wie zufällige Silben. Überlege, wie die Sprache die Kultur ihrer Sprechenden spiegelt: Ein Wüstenvolk hätte vielleicht viele Wörter für Sandarten oder Wassermangel, eine Seefahrerkultur unterschiede Dutzende Windverhältnisse. Die Sprache muss nicht vollständig sein, aber sie sollte stimmig wirken.