Regieanweisung
Die Textteile eines Skripts, die Handlung, Bewegung, Schauplatz oder technische Elemente für Spielende und Team beschreiben.
Zuletzt aktualisiertRegieanweisungen sind alle Textteile eines Skripts außerhalb des Dialogs, die beschreiben, was das Publikum sieht und hört: Handlungen der Figuren, Bewegungen, Mimik, Details des Schauplatzes, Geräusche, Lichtwechsel und andere Elemente der Inszenierung. Im Drehbuch heißen sie Handlungszeilen oder Szenenbeschreibung (englisch action lines). Es sind die schlichten Absätze zwischen Szenenköpfen und Dialogblöcken, die die sichtbare und körperliche Wirklichkeit jeder Szene entwerfen. Im Theatertext stehen Regieanweisungen kursiv oder in Klammern und können sowohl Anweisungen der Autorin als auch technische Einsätze enthalten. Ob für Leinwand oder Bühne, der Zweck ist derselbe: die Vorstellung der Schreibenden in konkrete, spielbare Anweisungen zu übersetzen und dabei genug Raum für die Deutung durch Regie, Schauspiel und Ausstattung zu lassen.
Wie unterschiedlich man Regieanweisungen schreiben kann, zeigt grundverschiedene Auffassungen von der Rolle der Schreibenden. Tennessee Williams' Regieanweisungen in Endstation Sehnsucht sind üppig atmosphärisch. Sie beschreiben die Musik des „blauen Klaviers“ und das Licht im French Quarter so poetisch, dass schon die Anweisungen selbst ein Lesegenuss sind. David Mamets Regieanweisungen sind dagegen bekanntermaßen karg und bestehen manchmal nur aus „Pause“ oder „Beat“. Er vertraut darauf, dass Schauspiel und Regie die Stille füllen. Im Drehbuch geht der Trend zu schlanken, filmischen Handlungszeilen. Das Drehbuch der Coen-Brüder zu Fargo arbeitet mit knappen, schwarzhumorigen Szenenbeschreibungen, die sich fast wie Prosa lesen: „Er blickt aus dem Fenster auf den leeren Parkplatz. Er wirkt nicht glücklich.“ Shane Black brach in seinen Drehbüchern zu Lethal Weapon und Tödliche Weihnachten mit der Konvention, indem er in den Handlungszeilen die Lesenden direkt ansprach, und schuf so eine unverwechselbare Erzählstimme in einem Format, das sonst ohne Persönlichkeit auskommt.
Gute Regieanweisungen balancieren Genauigkeit und Zurückhaltung. Beschreib, was das Publikum sehen und hören wird, nicht, was Figuren innerlich denken oder fühlen, es sei denn, es zeigt sich in sichtbarem Verhalten. „Sarah krallt sich an die Tischkante, die Knöchel weiß“ ist eine Regieanweisung, „Sarah fühlt sich von Schuld überwältigt“ ist keine, denn Schuld ist unsichtbar, solange sie sich nicht körperlich zeigt. Halte Handlungszeilen kurz und aktiv. Jeder Absatz der Szenenbeschreibung sollte genau einen Handlungsbeat erfassen; lange Textblöcke signalisieren beim Lesen, dass sich der Film zäh anfühlen wird. Führ nicht die Kamera, es sei denn, eine bestimmte Einstellung ist für die Geschichte unverzichtbar. Anweisungen wie „GROSSAUFNAHME des Briefs“ oder „Wir SCHWENKEN über die Skyline“ sind in der Regel Sache der Regie. Leg die Kameraarbeit lieber über die Genauigkeit deiner Beschreibung nahe: Wenn du schreibst „Eine einzelne Träne läuft ihr über die Wange“, ist die Großaufnahme schon mitgedacht.