Glossar

Sensitivity Editing (Sensibilitätslektorat)

Die Prüfung eines Manuskripts auf verletzende, stereotype oder unzutreffende Darstellungen marginalisierter Gruppen.

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Sensitivity Editing ist eine spezialisierte Form des Lektorats, die prüft, wie ein Werk marginalisierte Gruppen, Kulturen, Identitäten und Lebenserfahrungen darstellt. Wer ein Sensibilitätslektorat übernimmt, achtet besonders auf Stereotype, verletzende Tropes, kulturelle Fehler und unbeabsichtigte Vorurteile, die der Autorin oder dem Autor oft gar nicht auffallen, für Lesende aus den dargestellten Gruppen aber kränkend oder befremdlich sein können. Vom Sensitivity Reading unterscheidet es sich darin, dass dieses meist früher im Prozess als Einschätzung stattfindet, während das Sensitivity Editing konkrete Vorschläge für die Überarbeitung macht. Mit Zensur oder verordneter politischer Korrektheit hat es nichts zu tun. Es ist eine handwerklich ausgerichtete Dienstleistung, die hilft, über Erfahrungen jenseits der eigenen genauer, einfühlsamer und wirkungsvoller zu schreiben.

Dass Sensitivity Editing an Bedeutung gewonnen hat, spiegelt zweierlei: das wachsende Bewusstsein der Verlagsbranche für den Schaden, den Darstellungen anrichten können, und die steigende Erwartung der Lesenden, dass Literatur vielfältige Erfahrungen differenziert und zutreffend zeigt. Aufsehenerregende Kontroversen haben vorgeführt, was passiert, wenn diese Prüfung fehlt: Romane, die wegen stereotyper Darstellungen ethnischer Minderheiten zurückgezogen oder scharf kritisiert wurden, Figuren mit Behinderung, die nur als Inspirationsquelle für andere dienen, queere Figuren, die allein über ihr Leid definiert werden, oder indigene Kulturen, die durch eine koloniale Brille betrachtet werden. Verlage wie Penguin Random House und Hachette ziehen inzwischen routinemäßig Fachleute für Sensitivity Editing hinzu, wenn ein Manuskript Erfahrungen jenseits der Identität der Autorin oder des Autors schildert. Sie wissen, dass auch gut gemeinte Texte Schaden anrichten können, wenn es an Wissen über gelebte Erfahrung und historische Zusammenhänge fehlt.

Wenn du über Figuren oder Gruppen schreibst, deren Erfahrungen du nicht teilst, ist eine solche Rückmeldung kein Eingeständnis des Scheiterns, sondern professionelle Sorgfalt. Such dir Leute, die die dargestellte Lebenswirklichkeit aus eigener Erfahrung kennen und zugleich etwas vom erzählerischen Handwerk verstehen. Die besten erkennen Probleme und schlagen Lösungen vor, die der Geschichte dienen, statt sie zu beschneiden. Hol sie früh genug in die Überarbeitung, damit sich grundlegende Änderungen noch umsetzen lassen. Stell dich darauf ein, dass manche Darstellungen gründlich überarbeitet werden müssen, und nimm diese Rückmeldung so offen auf wie jede andere Anmerkung aus dem Lektorat. Denk daran: Sensitivity Editing soll dich nicht davon abhalten, über schwierige Themen zu schreiben. Es hilft dir, mit der Genauigkeit, Sachkenntnis und Empathie über sie zu schreiben, die Literatur vom Klischee zur echten menschlichen Wahrheit führt.

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