Glossar

Autofiktion

Ein Genre, das Autobiografie und Fiktion mischt, in dem der Autor sein eigenes Leben als Rohmaterial verwendet, Ereignisse aber frei umformt, erfindet und neu imaginiert.

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Autofiktion ist ein Genre, das den bewusst instabilen Boden zwischen Autobiografie und Fiktion besetzt. Der Begriff, 1977 vom französischen Autor Serge Doubrovsky geprägt, beschreibt Werke, in denen der Autor seinen eigenen Namen, biografische Details und gelebte Erfahrungen als Grundlage einer Erzählung verwendet, die auch erfundene, veränderte oder phantasievoll rekonstruierte Elemente enthält. Anders als Memoir, das faktische Treue verspricht, und anders als Fiktion, die imaginative Freiheit verspricht, verspricht Autofiktion beides und keines. Sie bittet den Leser, zwei widersprüchliche Wahrheiten gleichzeitig zu halten: Das ist passiert, und das ist erfunden. Diese produktive Mehrdeutigkeit ist das definierende Merkmal der Form und ihre Quelle der Kraft.

Karl Ove Knausgards sechsbändige Min Kamp (Mein Kampf) ist das prominenteste jüngste Beispiel für Autofiktion und katalogisiert die Details des Autorenlebens mit einem fast aggressiven Engagement für das Alltägliche, das paradoxerweise eine hypnotische Leseerfahrung schafft. Rachel Cusks Outline-Trilogie reduziert Autofiktion auf ihre strukturellen Knochen: Die Erzählerin, eine Autorin, die klar Cusk selbst nachempfunden ist, sagt fast nichts über ihr eigenes Leben, während die Menschen um sie herum das ihre offenbaren - und schafft so ein Porträt im Negativraum. Ben Lerners 10:04 spielt selbstbewusst mit der Form und integriert die Geschichte seines eigenen Entstehens in die Erzählung und verwischt die Linie zwischen gelebter Erfahrung und literarischer Konstruktion. Sheila Hetis How Should a Person Be? verwendet echte Namen und transkribierte Gespräche neben klar fiktionalen Elementen und macht die Unsicherheit des Lesers über das, was real ist, zum Thema des Buches.

Autofiktion zu schreiben erfordert die Bereitschaft, dein Leben als Material zu nutzen, während du dir bewusst bleibst, dass Leben und Erzählung nicht dasselbe sind. Die Form gibt dir die Erlaubnis, deine Erfahrungen im Dienst einer größeren künstlerischen Wahrheit umzuformen, zu verdichten, zu erfinden und umzustrukturieren. Diese Freiheit kommt jedoch mit Verantwortung: gegenüber den echten Menschen, die in deinem Werk auftauchen können, gegenüber dem Vertrauen des Lesers und gegenüber künstlerischer Integrität. Die beste Autofiktion ist keine faule Abkürzung um die harte Arbeit der Erfindung herum, sondern eine rigorose Erkundung der Beziehung zwischen Erfahrung und Erzählen. Beginne damit, die Aspekte deiner Erfahrung zu identifizieren, die am stärksten mit Bedeutung aufgeladen sind, und gib dir dann die Erlaubnis, sie als Rohmaterial statt als heilige Wahrheit zu behandeln. Die Frage ist nicht, ob etwas wirklich passiert ist, sondern ob es auf der Seite wahr ist.

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