Glossar

Literaturüberblick (Forschungsstand)

Eine Übersicht und kritische Auswertung der vorhandenen Forschung zu einem Thema, die zeigt, was bereits bekannt ist und wo Lücken bestehen.

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Ein Literaturüberblick, oft auch Darstellung des Forschungsstands genannt, sichtet und verknüpft kritisch die vorhandene Forschung zu einem Thema. Er ist mehr als ein Literaturverzeichnis oder eine Reihe von Zusammenfassungen: Er bewertet, vergleicht und ordnet frühere Arbeiten, um zu zeigen, was man bereits weiß, worin sich die Forschung einig ist oder streitet und welche Fragen offen sind. So verortet er die eigene Arbeit in der wissenschaftlichen Diskussion und belegt, dass ihr Verfasser das Feld überblickt und eine sinnvolle Frage gefunden hat, die bisherige Studien nicht hinreichend beantworten.

In einer Dissertation oder einem Fachartikel steht der Literaturüberblick meist zwischen Einleitung und Methodenteil. In den Sozialwissenschaften könnte er etwa jahrzehntelange Studien zum Einfluss der Klassengröße auf die Leistungen von Schülerinnen und Schülern zusammenführen und dabei Trends, Widersprüche und methodische Schwächen herausarbeiten. Booth, Colomb und Williams betonen in The Craft of Research, dass ein Literaturüberblick keine Aneinanderreihung von Zusammenfassungen ist, sondern eine Argumentation über den Stand des Wissens. Ein guter Literaturüberblick in der Psychologie könnte beispielsweise zeigen, dass Dutzende Studien ein Phänomen im Labor untersucht haben, kaum eine aber unter Alltagsbedingungen, und so begründen, warum es die neue Studie braucht.

Recherchiere für einen wirkungsvollen Literaturüberblick systematisch in Datenbanken, mit klar festgelegten Suchbegriffen und Einschlusskriterien. Gliedere die Quellen thematisch statt chronologisch: Fasse Studien nach den Fragen zusammen, die sie stellen, statt sie in der Reihenfolge aufzuzählen, in der du sie gelesen hast. Notiere zu jeder Quelle nicht nur, was sie herausgefunden hat, sondern auch, wie, und was sie ausgeklammert hat. Verknüpfe, statt nur zusammenzufassen: Du erzählst, was dein Fach gemeinsam herausgefunden hat, und zeigst genau, an welcher Stelle deine eigene Forschung ansetzt. Ein Literaturüberblick, der Quellen bloß auflistet, verschenkt die Chance, das gedankliche Fundament deiner Argumentation zu legen.

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