Glossar

Annotierte Bibliografie

Ein Literaturverzeichnis, in dem jede Quelle mit einer kurzen, wertenden Zusammenfassung versehen ist.

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Eine annotierte Bibliografie, auch kommentiertes Literaturverzeichnis genannt, ist eine Liste von Büchern, Artikeln und anderen Quellen, bei der auf jede Literaturangabe ein kurzer beschreibender und bewertender Absatz folgt, die sogenannte Annotation. Ein gewöhnliches Literaturverzeichnis zählt die Quellen nur auf. Für eine annotierte Bibliografie musst du dagegen jede Quelle lesen, zusammenfassen und einschätzen. Annotationen umfassen meist 100 bis 300 Wörter und gehen auf These, Methode, Glaubwürdigkeit und Bedeutung der Quelle für das eigene Forschungsvorhaben ein. So ist die annotierte Bibliografie zugleich Arbeitsinstrument für dich und kommentierter Wegweiser durch die Literatur zu einem Thema für alle, die sie später lesen.

Im Bachelor- und Masterstudium wird sie häufig als Vorstufe zu einer Hausarbeit oder Abschlussarbeit verlangt. Aber auch im Berufsleben ist sie nützlich: In der Politikberatung etwa stellen Fachleute oft annotierte Bibliografien zusammen, um Entscheidungsträger über den Stand der Forschung zu informieren. Gerald Graff und Cathy Birkenstein führen in They Say / I Say vor, worauf es dabei ankommt, ohne die Gattung beim Namen zu nennen: Man fasst zusammen, was andere gesagt haben („they say“), und entwickelt daraus die eigene Position („I say“). Eine gute Annotation beschreibt deshalb nicht bloß den Inhalt einer Quelle. Sie benennt ihre Stärken und Grenzen und ordnet sie im Verhältnis zu den übrigen Titeln der Bibliografie ein.

Lies für starke Annotationen jede Quelle gründlich und notiere dir Argumentation, Belege und Methode, bevor du zu schreiben beginnst. Fasse zu Beginn knapp die Kernaussage und den Ansatz der Quelle zusammen. Bewerte dann ihre Glaubwürdigkeit: Welche Qualifikation hat die Autorin oder der Autor, wie sorgfältig ist die Forschung, wo gibt es Einseitigkeiten oder Lücken? Erkläre zum Schluss, was die Quelle für deine Forschungsfrage leistet: Stützt sie deine These, liefert sie Hintergrundwissen, formuliert sie einen Einwand oder schlägt sie eine Methode vor, die du übernehmen könntest? Ordne die Einträge sinnvoll, ob alphabetisch, thematisch oder chronologisch, und bleib durchgehend bei einem Zitierstil. Wer Annotationen schreibt, setzt sich mit Quellen weit gründlicher auseinander als beim bloßen Lesen. Deshalb gehört die annotierte Bibliografie zu den am meisten unterschätzten Werkzeugen wissenschaftlichen Schreibens.

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