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Vorlage für das Sachbuchexposé

Zuletzt aktualisiert 11 Min. Lesezeit

Sachbücher werden auf Basis eines Buchexposés verkauft, nicht auf Basis eines fertigen Manuskripts. Das Exposé ist ein strukturiertes Dokument – meist 30 bis 60 Seiten – das den Markt für das Buch begründet, die Autorität der Autorin belegt und zeigt, dass sie das Projekt umsetzen kann. Lektorate kaufen Sachbücher auf Basis des Exposés. Das eigentliche Schreiben des Buches geschieht oft nach Vertragsunterzeichnung.

Diese Vorlage führt dich durch jeden Standardabschnitt eines Sachbuchexposés, mit Hinweisen, was jeder Abschnitt leisten muss und wie er gut gelingt. Sie geht davon aus, dass du ein publikumsorientiertes Sachbuch schreibst (Memoiren, narratives Sachbuch, präskriptives Sachbuch, Geschichte, Wirtschaft, populäre Wissenschaft). Exposés für akademische Verlage folgen anderen Konventionen; diese Vorlage gilt vorrangig für kommerzielles Sachbuch.

Das Exposé ist ein Verkaufsdokument. Jeder Abschnitt baut ein Argument auf. Das Argument lautet, dass ein Lektorat dich dafür bezahlen sollte, dieses Buch zu schreiben, und dass Leserinnen bezahlen werden, um es zu lesen. Behalte diesen Zweck im Auge, dann werden die Entscheidungen beim Schreiben leichter.

Abschnitt 1: Überblick (3 bis 5 Seiten)

Der Überblick ist Elevator Pitch, Eröffnungsplädoyer und Tonsetzer in einem. Er ist das Erste, was das Lektorat liest, und wenn er nicht landet, lesen sie womöglich nicht weiter. Behandle diesen Abschnitt wie den wichtigsten Essay, den du je geschrieben hast.

Der Aufhänger

Die Eröffnungsabsätze. Etabliere die Frage, die dein Buch beantwortet, das Problem, das es angeht, oder die Geschichte, die es erzählt. Beginne mit etwas, das aufmerken lässt – eine Statistik, eine Anekdote, ein aktuelles Ereignis, ein einprägsames Bild. Verenge dich dann auf dein konkretes Projekt.

Das Argument oder die Geschichte

Worum geht es in dem Buch wirklich? Formuliere in etwa einer Seite das zentrale Argument (bei präskriptiven oder analytischen Büchern), den Erzählbogen (bei Memoiren oder narrativem Sachbuch) oder die historische Spannweite (bei Geschichte). Hier entscheidet das Lektorat, ob das Projekt strukturelle Integrität hat.

Warum jetzt

Warum muss dieses Buch in diesem Moment existieren? Gibt es ein aktuelles Ereignis, das das Thema dringlich macht? Eine kulturelle Verschiebung, die das Publikum vorbereitet hat? Eine Lücke in der bestehenden Verlagslandschaft? „Warum jetzt“ ist eine der Fragen, die Lektorate gelernt haben zu stellen, und Exposés, die sie überzeugend beantworten, haben einen Vorteil.

Warum du

Was verleiht dir die Autorität, dieses Buch zu schreiben? Berufliche Qualifikationen, gelebte Erfahrung, vorausgegangene Recherche, einzigartiger Zugang. Das ist eine kurze Fassung dessen, was im Abschnitt „Über die Autorin“ erscheinen wird – genug, um zu zeigen, dass du nicht jemand bist, der versucht, außerhalb seiner Kompetenz zu schreiben.

Was du hier schreibst: 3 bis 5 Seiten. Poliert. Über Wochen, nicht Tage, entworfen und überarbeitet.

Abschnitt 2: Über die Autorin (1 bis 2 Seiten)

Die Begründung für dich als Autorin dieses Buches. Anders als eine Anfrage-Vita – hier ist mehr Raum und mehr Gewicht.

  • Qualifikationen: Ausbildung, berufliche Positionen, Auszeichnungen, Expertise. Die Qualifikationen, die für dieses Buch konkret relevant sind.
  • Reichweite: Die Reichweite, die du aktuell zu potenziellen Leserinnen hast. Größe der E-Mail-Liste, Podcast-Publikum, Social-Media-Following (konkret engagierte Followerinnen, keine Vanity-Metriken), Vortragsbühnen, Medienauftritte. Lektorate kümmern sich um Reichweite mehr als um fast alles andere bei präskriptivem und persönlichkeitsgetragenem Sachbuch.
  • Frühere Veröffentlichungen: Bücher, Artikel, Essays, alles in angesehenen Publikationen. Wenn du breit zu diesem Thema veröffentlicht hast, ist diese Geschichte ein großer Pluspunkt.
  • Persönliches Anliegen: Warum dieses Buch dir wichtig ist, über das berufliche Interesse hinaus. Besonders wichtig für Memoiren und narratives Sachbuch.

Ton: selbstbewusst ohne Arroganz. Nenne deine Qualifikationen sachlich. Vermeide Aufgeblasenes. Lektorate sind im Erkennen solcher Dinge geübt.

Abschnitt 3: Marktanalyse (2 bis 4 Seiten)

Wo das Buch im Markt sitzt und wer es kaufen wird.

Die Zielleserin

Konkret. Nicht „alle, die sich für Geschichte interessieren“. Konkret: „Leserinnen zugänglicher narrativer Geschichte in der Tradition von Erik Larson und David Grann, besonders solche, die sich für Verbrechen gegen Mächtige und das frühe 20. Jahrhundert begeistern.“ Je konkreter du sein kannst, desto glaubwürdiger ist dein Argument, dass es ein Publikum gibt.

Vergleichstitel

Vier bis sechs veröffentlichte Bücher, die das Terrain deines Buches teilen. Halte für jedes fest:

  • Titel, Autorin, Verlag, Jahr, Verkäufe (falls bekannt).
  • Was der Comp mit deinem Buch teilt.
  • Was dein Buch vom Comp unterscheidet.

Vergleichstitel sollten aktuell sein (letzte 3 bis 5 Jahre), kommerziell relevant (sich respektabel verkauft haben) und strukturell deinem Buch ähnlich. Comping zu Mega-Bestsellern lässt dich unrealistisch wirken; Comping zu gefloppten Büchern lässt dich uninformiert wirken.

Halte alle relevanten Trends fest – eine wachsende Kategorie, ein Thema im Nachrichtenzyklus, eine generationelle Verschiebung, die Leserinnen für dein Buch öffnet. Lektorate verfolgen diese Muster, und Exposés, die effektiv mit ihnen umgehen, haben einen Vorteil.

Abschnitt 4: Marketing- und Promotionsplan (1 bis 3 Seiten)

Was du, die Autorin, tun wirst, um den Launch des Buches zu unterstützen. Lektorate erwarten zunehmend, dass Autorinnen aktiv im Marketing sind, besonders bei Sachbuch. Sei konkret.

  • Eigene Kanäle: Deine E-Mail-Liste, Social-Media-Konten, Podcast, Blog. Größen und Engagement-Metriken.
  • Potenzial für Earned Media: Medien, die deine Arbeit zuvor beachtet haben, oder von denen du glaubst, dass sie über dieses Buch berichten würden. Sei realistisch; versprich nicht The New York Times, wenn du dort nie veröffentlicht wurdest.
  • Vortrags- und Veranstaltungsgelegenheiten: Konferenzen, die du regelmäßig besuchst, öffentliche Veranstaltungen, die du organisierst, Communities, in denen das Buch relevant wäre.
  • Empfehlungspotenzial: Autorinnen, Expertinnen oder Persönlichkeiten, die Klappentexte schreiben oder das Buch unterstützen könnten. Nur solche aufzählen, die plausibel zustimmen würden.
  • Konkrete Taktiken: Eine Newsletter-Kampagne vor dem Launch, eine Podcast-Tour, eine Essay-Serie in großen Medien, eine Launch-Veranstaltung in einer relevanten Stadt. Je konkreter, desto glaubwürdiger.

Abschnitt 5: Kapitelgliederung (5 bis 15 Seiten)

Das strukturelle Skelett des Buches. Für jedes Kapitel:

  • Kapitelnummer und Titel: Arbeitstitel.
  • Länge: Ungefähre Wortzahl.
  • Argument oder Bogen: Was dieses Kapitel leistet, in einem oder zwei Absätzen. Für narratives Sachbuch: die Ereignisse und der emotionale Bogen. Für präskriptives Sachbuch: die zentrale These und ihre stützenden Belege.
  • Schlüsselelemente: Quellen, Szenen, Beispiele, Frameworks oder Anekdoten, auf die das Kapitel sich stützt. Genug Detail, damit das Lektorat sieht, dass du die grundlegende Recherche geleistet hast.

Die Kapitelgliederung dient sowohl als Verkaufsdokument als auch als Planungsdokument. Nach Vertragsunterzeichnung schreibst du daraus.

Abschnitt 6: Leseproben (1 bis 3 Kapitel)

Üblicherweise ein oder zwei fertiggestellte Kapitel, insgesamt etwa 10.000 bis 20.000 Wörter. Die Leseproben zeigen, dass du das Buch, das du vorschlägst, tatsächlich schreiben kannst. Wähle:

  • Ein frühes Kapitel: Oft das erste Kapitel oder die Einleitung. Etabliert die Stimme und die strukturellen Versprechen.
  • Ein repräsentatives Kapitel: Ein Kapitel, das das Buch in seiner charakteristischsten Form zeigt – die Art zu schreiben, die das Lektorat am häufigsten erwarten kann.
  • Ein anspruchsvolles Kapitel: Manchmal nützlich, um zu zeigen, dass du das schwerste Material bewältigen kannst. Nur aufnehmen, wenn die Schwierigkeit Teil dessen ist, warum das Buch interessant ist.

Leseproben sollten poliert sein. Sie werden gegen veröffentlichtes Sachbuch gelesen, nicht gegen deine anderen unveröffentlichten Arbeiten.

Abschnitt 7: Praktische Details

Die administrativen Informationen, die das Lektorat braucht.

  • Geschätzte Gesamt-Wortzahl: Die meisten Sachbücher liegen zwischen 70.000 und 100.000 Wörtern. Memoiren laufen oft kürzer; Geschichtswerke und Biografien oft länger.
  • Geschätzter Liefertermin: Wann das Manuskript fertig sein wird. Realistisch für den Umfang und deine sonstigen Verpflichtungen.
  • Besonderheiten: Fotografien, Illustrationen, Diagramme, ein Index, Anhänge. Alles vermerken, was die Produktionskomplexität beeinflusst.
  • Bestehende Rechtsverpflichtungen: Wenn ein Teil des Materials anderswo erschienen ist (ein Kapitel als Artikel, das Exposé in Bearbeitung), offenlegen.

So passt du diese Vorlage an

  • Für Memoiren: Abschnitt 4 (Marketing) kann leichter sein; Abschnitt 2 (Über die Autorin) trägt mehr Gewicht, weil die Autorin der Gegenstand ist. Leseproben sind entscheidend – Stimme und emotionale Authentizität entscheiden über das Exposé.
  • Für narratives Sachbuch: Führe den Überblick mit Erzählung. Die ersten Seiten sollten sich wie der Anfang des Buches selbst lesen und die Leserin hereinziehen. Dann zieh dich ins Argument zurück.
  • Für präskriptives Sachbuch: Abschnitt 4 (Marketing) und Abschnitt 3 (Zielleserin) tragen das schwerste Gewicht. Lektorate für präskriptive Bücher kaufen eine Reichweite ebenso wie ein Manuskript.
  • Für Geschichte und Biografie: Die Kapitelgliederung wird entscheidend – Lektorate wollen sehen, dass du die Form der Geschichte verstehst, die du erzählst. Quellenangaben und Zugang (zu Archiven, Primärquellen oder lebenden Personen) sollten im Überblick sichtbar sein.
  • Für Wirtschaft und Selbsthilfe: Füge einen „Framework“-Abschnitt hinzu, der die zentrale Idee oder Methode des Buches in greifbarer Form formuliert. Bücher in dieser Kategorie verkaufen sich oft über ein einprägsames Framework.
  • Für Exposés an akademische Verlage: Diese Vorlage ist der falsche Ausgangspunkt. Exposés für akademische Verlage haben andere Konventionen, oft mit einem Forschungsstand und einem Methodikabschnitt. Konsultiere die Richtlinien deines Zielverlags.
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