Tempo (Erzähltempo)
Rhythmus und Geschwindigkeit, mit denen sich eine Geschichte entfaltet, gesteuert über Satzlänge, Szenenbau und Spannung.
Zuletzt aktualisiertDas Erzähltempo ist die gefühlte Geschwindigkeit einer Erzählung: wie schnell oder langsam sich Ereignisse entfalten und Informationen preisgegeben werden. Du steuerst es über Satzlänge, Szenendauer, Kapitelgrenzen, das Verhältnis von Handlung und Reflexion und die Dichte neuer Informationen. Gutes Tempo folgt dem, was jeder Moment der Geschichte emotional braucht.
Thrillerautoren wie Lee Child sind Meister des Tempos. Child schreibt in Actionszenen kurze, harte Sätze und in Ermittlungsszenen längere, detailreichere Prosa. Dan Browns Sakrileg treibt mit kurzen Kapiteln und ständigen Cliffhangern unerbittlich voran. Donna Tartts Die geheime Geschichte setzt dagegen bewusst auf ein langsames Tempo, um Atmosphäre und Beklemmung aufzubauen.
Ein häufiger Fehler ist, die ganze Geschichte im selben Tempo zu erzählen. Auch actionreiche Geschichten brauchen Atempausen, und auch literarische Romane brauchen Momente der Dringlichkeit. Denk beim Tempo an Musik: Erst der Wechsel zwischen schnellen und langsamen Passagen schafft den Kontrast, der beide wirken lässt. Wenn Lesende dein Buch „langsam“ finden, liegt es meist nicht an der Gesamtgeschwindigkeit, sondern an fehlender Abwechslung.